Mut zur Lücke

Über die Wichtigkeit von Weißraum

Überladene Zeitungen, Magazine und Websites würde es wahrscheinlich gar nicht geben, würde es nur nach Designern gehen. Schließlich wissen sie um die Wichtigkeit von Weißraum – im Layout einer Seite der unbedruckte, leere ­Bereich zwischen Grafiken, Text und Bildern, auch Leer- oder Freiraum genannt. Ja, und auch die, die den Inhalt liefern, haben eigentlich schon einmal so etwas gehört wie: „Inhalt will atmen“. Doch ewig lockt die Versuchung, lieber etwas mehr als weniger in einem Artikel unterzubringen. Wir tun uns einfach schwer damit, Lücken zu lassen.

Mut zur Lücke

Lücken im Text; das sähe ja so aus, als wenn wir nichts zu sagen hätten. Aber wir haben viel zu sagen. Außerdem sind wir kompetent. Und kreativ: nichts auf der Seite kann jeder. Die Wirtschaftlichkeit haben wir ebenso im Blick: Mehr freie Fläche hieße mehr Seiten gleich mehr Papier; sprich mehr Kosten. Platzverschwendung nennt man sowas auch. Dann lieber effizient eine Seite nutzen, bis sie vor lauter Information nur so überschäumt. Längst vergessen – oder gekonnt verdrängt – alles, was wir jemals über gute Gestaltung gehört haben.

Das Leben an sich ist bereits eine reine Flut an Informationen. Niemand unterwirft sich da freiwillig einer neuen Welle. Was Leser vielmehr wollen: schnelle Orientierung, natürlich: Information – aber bitte mit Leichtigkeit, Freude beim Lesen und Inspiration – ohne Anstrengung, ohne Gesuche zwischen den Zeilen.

Überladene Seiten haben ihren ganz eigenen Preis: nämlich oftmals den, dass ihr Inhalt am Ende gar nicht gelesen wird.

Unterschätztes Gestaltungselement

Was es dazu braucht: Weißraum, das wohl unterschätzteste Gestaltungselement. Der vermeintlich verschenkte Platz – in welchem sich jedoch die Sinne erholen können. Es ist der Bereich, der die Aufmerksamkeit lenkt. Erst mit Weißraum können Informationen überhaupt wirken. Im Museum ist es nicht anders: eine Wand, ein Bild. Alle Aufmerksamkeit soll sich auf das Wesentliche richten. Deshalb: keine Ablenkung, nur gut gesetzter Weißraum. 

Das andere Extrem ist genauso wenig erfolgsversprechend. Wird zu viel Weißraum gesetzt, können Informationen schnell verloren wirken. Wichtig ist immer die Balance aus Text, Bild und freier Fläche. Eine allzu große Kunst ist das nicht. Bei der Gestaltung kann man sich weitestgehend auf die eigene Intuition verlassen, denn ob die Proportionen stimmen und ob eine Seite ordentlich aussieht, kann im Grunde jeder beurteilen. Eine feste Formel für einen Seiten-Aufbau gibt es ohnehin nicht.

Mehr Überblick – mehr Vertrauen

Menschen mögen das Gefühl, den Überblick zu behalten. Untersuchungen zeigen: Ein schlichtes, aufgeräumtes Design bei Printprodukten und Websites schafft beim Nutzer Vertrauen in die Produkte und das Unternehmen. Großflächig gesetzter Weißraum wirkt immer edel und stark. Gerade im hochpreisigen Segment kann man dies beobachten. Apple beispielsweise setzt Weißraum generell ein. Im Gegenzug kennen wir vollgepackte, unaufgeräumte Seiten eher von „billigen“ Werbeprospekten. Keine gute Assoziation, wenn die Qualität an erster Stelle stehen soll. 

Mit Weißraum zu arbeiten, erfordert manchmal definitiv Mut, aber er lohnt sich. Denn leerer Raum im Design ist kein Platz, der nur darauf wartet, mit Inhalt gefüllt zu werden. Es ist der Raum zum Atmen, der am Ende das so wichtige Vertrauen zum Kunden schafft – für den erstrebenswerten langfristigen Erfolg eines jeden Unternehmens.

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