Der Abgang der Big Player

Manchmal steckt eine Menge Unvernunft im Mut – findet der Scheff

Stellt euch vor, ihr besucht eine weltbekannte Messe und einer der wichtigsten und größten Aussteller nimmt nicht teil … das finde ich mutig.

Ulli auf Fehmarn

Urlaub ist dazu da, genommen und gemacht zu werden. Gerade in diesen schwierig planbaren Zeiten braucht man seine Auszeit mehr denn je.

Also. Ich campe leidenschaftlich gern. Am liebsten am Meer, weil ich für meinen Lieblingssport – das Windsurfen – Wasser unterm Brett und Wind im Segel brauche. Aber auch das Inland und die Berge haben ihren Reiz, denn ich liebe das Mountainbiken und lange Wanderungen in der Natur. Und weil man ja auch nicht jünger wird, darf es auch beim Camping ruhig ein bisschen komfortabel sein. Nach 15 Jahren Dauercamping mit Wohnwagen möchte ich nun mit einem Wohnmobil noch unabhängiger werden. Auch mal fernab von klassischen Campingplätzen einfach hinstellen und loscampen.

Die Qual der Wahl

Um bei der riesigen Auswahl an Herstellern, Modellen und Ausstattungen einen ersten Überblick zu gewinnen, ist meine erste Anlaufstelle natürlich das Internet. Das ist 100% Corona-safe. Und, zugegeben, so ein Online-Konfigurator ist schon ein tolles Ding. Ein Klick hier, ein Klick da, schon steht da das Wunsch-Mobil. Aber so genial das 3D-Rendering und die virtuellen Room-Touren auch sind, bevor ich kaufe, möchte ich es real erleben. Ich will selbst die Tür aufmachen, ein Raumgefühl bekommen, die Einrichtung sehen, anfassen und bedienen und ein halbwegs realistisches Gefühl dafür bekommen, wie es ist, meinen Urlaub darin zu verbringen. 

Kein Weg zu weit – oder doch?

Nachdem ich nun also ungefähr weiß, was ich haben will, telefoniere ich die Hersteller ab, deren Angebot mich interessiert. Man sollte ja erwarten, dass man bei denen vor Ort oder irgendwo in Deutschland mal gucken kann, wie deren Modelle im wirklichen Leben aussehen. Nur mit Termin, klar, wegen Corona. Aber der Rest begeistert mich nicht. Ja, man habe eine Ausstellung, aber nein, dort könne man nicht alles sehen. Einen Katalog? Ja, kostet. Und dann soll ich mal schreiben, was mich interessiert, und dann sagen sie mir, ob sich die Fahrt lohnt. Dafür soll ich nach Isny im Allgäu zum Dethleffs-Werk fahren und sehe dann nur eine einzige der Marken der Hymer-Gruppe? Das sind 700 Kilometer hin, 700 Kilometer zurück. Auf den bloßen Verdacht hin, dass mich dort etwas interessiert? 

Dann tue ich das, was man schon immer getan hat – und was sich nach anderthalb Jahren Corona-bedingter­ Abstinenz geradezu sensationell anfühlt: Ich besuche eine Messe! Und nicht nur irgendeine. Ich will alles sehen und alles vergleichen. Ich fahre nach Düsseldorf, zur „CARAVAN SALON“, die weltgrößte Messe für Reisemobile und Caravans. 

Die Fahrt von Minden (knapp 400 Kilometer hin und zurück, kein Vergleich zu einer Tour ins Allgäu) ist wie zurück ins alte Leben. Messe in Düsseldorf. Zwei Tage volles Programm. Großartig! Zwar gibt es am Eingang Beschränkungen, aber ich freue mich über eine Messe ohne Gedränge. Gerade nach der langen Online-Zeit geht doch nichts über persönliche Begegnungen und Beratung. Ein aufschlussreiches Gespräch mit der Aussicht auf eine Tasse Kaffee. Was will man mehr? Ich bin voller Vorfreude.

Bis ich dort ankomme, wo ich hinwollte. Aber was ist das? Ein Blick ins Leere. Einer der größten Hersteller, die Erwin Hymer-Gruppe ist nicht auf der Messe. Die, deren Wohnmobile ich unbedingt sehen wollte! Die?, sagen die anderen Herstellervertreter, die fehlen schon das zweite Mal. Ganz schön mutig, hier nicht herzukommen, denke ich. Krass! Eine Messe für Endverbraucher und ein tolles Produkt, das gerade jetzt jeden interessiert. Und dann überlässt der Big Player seinen Konkurrenten kampflos das Feld? 

Ich verstehe nicht, dass die nicht da waren! Und dann passierte Folgendes. Ich denke: dann nicht. Drehe mich um und entdecke attraktive Alternativen, die ich mir sonst niemals angeguckt hätte. Fakt ist – ich interessiere mich für was anderes und werde ­woanders kaufen.

Das ist ja wie …

Auf der Rückfahrt lasse ich das Ganze Revue passieren. Ich denke an unsere Regionalmessen. Was ich erlebt habe, ist so, als gäbe es ein Zelt zum Thema Energie sparen, Solarthermie und so – und die Stadtwerke als wichtige Begleiter für das Gelingen der Energiewende stellen nicht mit aus. Sind einfach nicht dabei. Undenkbar. Gerade jetzt, wo sich die Messekalender wieder füllen, wollen die Menschen den persönlichen Austausch. Von Angesicht zu Angesicht. Als Kunde wahrgenommen und wertgeschätzt werden. 

Und ich? Ich glaube, ich zelte einfach wieder. 

Überlassen Sie Ihrer Konkurrenz nicht das Feld! 

Wie Sie sich auf regionalen Messen gut präsentieren und Kunden gewinnen statt sie zu verlieren sehen Sie hier www.concept-design-heumann.de/energie-bar

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