Meine Helden und ich

Man braucht nicht immer einen Superhelden an der Seite, um Großes zu bewirken. Eine ganz andere Inspiration ...

Wir lieben Helden. Und das nicht erst seit der Erfindung von Superman und Batman. Schon die alten Griechen hüteten eine ganze Sammlung von „Heldensagen“. Geschichten von außergewöhnlichen Menschen mit unbeirrbarem Mut, übermenschlicher Kraft und unnachahmlichen Fähigkeiten. Geschichten mit einem guten, wenn nicht sogar glücklichen Ende. Genau das, was man braucht, wenn man gerade auf ein Wunder hofft.

Meine Helden und Ich
© stock.adobe.com – Willrow Hood

„Du bist mein Held!“ 

Das ist der zeitgemäße Stoßseufzer all jener, für die jemand gerade eine ausweglos scheinende Situation gelöst hat. Zu diesem Helden schaut man auf. Von unten betrachtet wirkt er ein unglaubliches Stück größer, muskulöser und viel mutiger, als wir es selbst jemals sein könnten. Glauben wir. Denn eigentlich ist es nur eine Frage der Perspektive. Sobald wir aufstehen und uns auf Augenhöhe mit dem Mutigen begeben, erscheint Vieles in einem anderen Licht.

Der wahre Held 

„Der wahre Held ist immer ein Held aus Versehen“, schreibt Umberto Eco, Autor von „Der Name der Rose“. In Wirklichkeit, ist er überzeugt, träumt der Held davon, „ein ehrlicher Feigling zu sein wie alle anderen“.

Bei einem genaueren Blick auf unsere Lieblingshelden erscheint das durchaus möglich: Bruce Wayne alias Batman gibt der tief empfundene Wunsch nach Gerechtigkeit Mut, nach Gotham City zurückzukehren. Spiderman Peter Parker wäre bestimmt damit zufrieden gewesen, sich ganz in Ruhe zu Hause um seine Tante May zu kümmern und mit MJ ins Kino zu gehen – hätten ihn nicht diese übermenschlichen Fähigkeiten dazu genötigt, aktiv zu werden. Und – mal ehrlich – auch Harry Potter hätte den Kampf gegen Voldemort niemals aus freien Stücken ­aufgenommen. 

Denn wir wissen: Helden sind verwundbar. Jeder von ihnen hat eine Achillesferse. Eine verwundbare Stelle, so wie Siegfried, der Drachentöter. So wie wir selbst. Eine Entdeckung, die uns nicht ernüchtert – ganz im Gegenteil. Sie macht den Helden nahbar und attraktiv, und gerade in seiner Verletzlichkeit identifizieren wir uns mit ihm. Denn auch Superhelden werden von emotionalen Themen bewegt. Von diesen Dingen rund um Freundschaft, um ­Familie, um die Liebe und den Verlust. Das macht sie zu ganz normalen Menschen. So normal wie Du und Ich.

Und was, wenn du der Held bist? 

Dieser Gedanke eröffnet die theoretische Möglichkeit, dass eigentlich jeder von uns das Zeug zum Helden hat. Wenigstens so ein ganz kleines bisschen. Dann wäre man nicht zum Helden geboren, sondern würde von den äußeren Umständen dazu gemacht. Wie bei Bruce Wayne durch die Ermordung seiner Eltern, wie Peter Parker, der von der radioaktiv verseuchten Spinne gebissen wird, oder wie Harry Potter, der eigentlich für ein Leben unter der Treppe bestimmt war. 

Genauso ist es, bestätigt der amerikanische Sozialpsychologe Philip Zimbardo. Zum Helden wird man nicht geboren, „man wird dazu gemacht.“ Auslöser sind die Situation, die Mitmenschen oder das System. Wer dann in bestimmten Konstellationen ohne zu überlegen und abzuwägen ganz einfach das Richtige tut, ist ein Held. Wie schnell das gehen kann, liefert ein Blick in die Schlagzeilen der Woche: „Der Held der Autobahn“ (befreit Schwerverletzten), „Schäfer als Held gefeiert“ (rettet seine Herde), „Der Held vom Hamsterfeld“ (kleine Tiere gehen mit großen Herausforderungen um), „Mein Mann ist der Held“ (unterstützt seine kranke Frau), „Die Corona-Helden“ (medizinisches Personal) und so weiter und so fort.

Held-Sein lernen

„Wir alle sind Helden in Warteposition“, schlussfolgert Zimbardo. Auf dieser Grundlage hat er das „Heroic Imagination Project“ entwickelt. Ein Programm, das Hilfsbereitschaft und Empathie entfaltet und fördert. Damit jeder lernt, im entscheidenden Moment aufzustehen.

Es beginnt mit dem Hinschauen. Zimbardo sagt, dass jeder lernen könne, „in brenzligen Situationen das Richtige zu tun.“ Nicht zuschauen und mitmachen in der Masse – sondern aufmerksam sein, anhalten und aktiv werden. Genau so, wie es jeder unserer Helden tun würde. 

Helden gibt es wirklich

„Einschreiten kann man üben“, fasst es Thorsten Kröber, Gründer und Geschäftsführer der „Helden e. V.“ in Bielefeld, zusammen. Die Schritte dahin sind einfach: „Sich bewusst machen, was man sieht. Aufzustehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen.“ So einfach ist es, ein Held zu sein. Und dazu braucht es nicht einmal besonderen Mut. Der Helden e. V. trainiert keine Supermänner oder Hulks. Als Spezialisten für Erlebnispädagogik und Sozialpsychologie üben sie mit Schülerinnen und Schülern – wirklich hinzuschauen. Das eigene Verhalten zu reflektieren. Zu überlegen, was man macht. Und warum man sich so verhält.

Kröber erklärt: „Die meisten Dinge tut man, ohne zu überlegen, warum man sie tut. Weil man auch zu den Coolen gehören will. Weil man nicht Nein sagen will. Weil man aus irgendwelchen Gründen denkt, man sollte das jetzt besser tun.“ Diese mangelnde Selbstbestimmtheit ist ein idealer Nährboden für Mobbing und Cybermobbing, für das gerade Jugendliche anfällig sind. „Nicht über das eigene Tun nachzudenken, macht Menschen zu Mitläufern. Unser Ziel ist, bewusst die Entscheidung zu treffen für das, was ich tue. Um zu tun, was mir wirklich wichtig ist. Und auf das, was ich sehe und beobachte, konkret einzuwirken.“

Der Helden e.V.

Helden e. V. wurde 2015 von den Erlebnispädagogen Sven Fritze und Thorsten Kröber gegründet. Der Verein für nachhaltige Bildung und Persönlichkeitsentwicklung mit Sitz in Bielefeld ist anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Mit seiner Arbeit ist er alleiniger Vertreter des vom US-Sozialpsychologen Philip Zimbardo entwickelten „Heroic Imagination Project“ in Deutschland.

Das ist es, was zählt

Aufzustehen ist die zentrale Idee hinter Zimbardos „Heroic Imagination Project“ und damit, die Welt ein bisschen besser zu machen. Dabei, sagt Kröber, müssen „Heldentaten nicht immer mit einer Medaille belohnt werden. Manchmal sind sie ganz klein“, und erzählt von den Sechstklässlern, für die die eigene Mutter und Jesus durchaus auf gleicher Stufe stehen können. Beide sind hilfsbereit ohne eigennützigen Hintergrund. Weil sie ganz einfach tun, was gerade getan werden muss. Das Richtige. So wie Batman, Spiderman oder Harry Potter. 

Die Heldenreise in der Kommunikation

Die perfekte Geschichte beschreibt den Weg ins Abenteuer. Erzählt von überwundenen Hindernissen und bestandenen Prüfungen. Und erklärt, was die Hauptfigur zum Helden macht.

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